Wachstum im Güterverkehr: Die Straße profitiert, die Schiene fällt zurück

Das Güterverkehrsvolumen in Deutschland ist zum vierten Mal in Folge gewachsen und hat 2016 den historischen Höchststand von 4,6 Milliarden Tonnen transportierter Güter erreicht, was einer Verkehrsleistung von 660 Milliarden Tonnenkilometern entspricht. Das gab das Statistische Bundesamt (Destatis) Ende Februar bekannt.

Die stärksten Zuwächse verzeichneten Luftfracht (3,3 Prozent), Rohrleitungstransport (2 Prozent) und Lkw-Transport (1,5 Prozent). Zurückgegangen sind die Beförderungsmengen auf Binnenschiffen (- 0,8 Prozent) und im Schienenverkehr (- 1,6 Prozent). Bezogen auf die absoluten Zahlen, werden die meisten Güter auf der Straße transportiert (3,6 Milliarden Tonnen), mit deutlichem Abstand gefolgt von Eisenbahn (361 Millionen Tonnen) und Seeschifffahrt (292 Millionen Tonnen).

Branchenverbände sehen in den Zahlen einen Beleg für die politische Benachteiligung der Schiene gegenüber konkurrierenden Verkehrsträgern. „Die Bundesregierung bekommt von der amtlichen Statistik heute eine schmerzhafte Quittung für ihre Lkw-freundliche Politik vorgelegt“, sagte der Geschäftsführer vom Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene, Dirk Flege, anlässlich der Bekanntgabe der Zahlen in Berlin. So hätten die sinkende Lkw-Maut, steigende Trassenpreise und diehohen Abgaben auf Bahnstrom zu einer Verteuerung des Gütertransports auf der Schiene geführt.

Der Vergleich mit der Schweiz und Österreich zeigt laut Flege, dass höhere Marktanteile des Schienengüterverkehrs (42 beziehungsweise 30 Prozent, in Deutschland 17,6 Prozent) möglich sind, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Er verwies auf die von den Bahnverbänden in einem gemeinsamen Papier zur Bundestagswahl geforderte Halbierung der Trassenpreise.

Wie es gehen kann, zeigen die Schweizer: In der Alpenrepublik sinken in diesem Jahr die Strompreise für Güterfernzüge um 25 Prozent. Ein entsprechender Beschluss der Schiedskommission für den  Eisenbahnverkehr wurde im Februar vom Schweizer Verkehrsministerium bestätigt, so dass die Preisänderung mit dem diesjährigen Jahresfahrplan in Kraft treten kann.

Auch die Wettbewerbsbahnen haben die Bundesregierung angesichts der Destatis-Zahlen zum Handeln aufgerufen. Zwar sei die sinkende Verkehrsleistung im Schienengüterverkehr in erster Linie auf einen Rückgang bei der DB-Tochter Cargo für zurückzuführen, erklärte das Netzwerk Europäischer Bahnen (NEE) in einer Mitteilung.

Es sei jedoch eine politisch gewollte Entwicklung, dass der Transport auf der Straße „konkurrenzlos preiswert“ sei, so NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger. Die zunehmenden Kostenvorteile der Straße könnten auch durch Effizienzsteigerung bei den  Bahnunternehmen nicht kompensiert werden. Im Wahljahr solle die Politik daher dem auch in der Bevölkerung verbreiteten Wunsch nach mehr Verkehr auf der Schiene Rechnung tragen, fordert Westenberger: „Dafür benötigen die Bahnen kurzfristig faire wirtschaftliche Bedingungen sowie mittelfristig mehr Kapazität im Schienennetz und eine technologische Modernisierung, die vom Staat gefördert und begleitet werden muss.“ (Stand: 03/2017)
 

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