Vielfalt im SPNV-Markt wächst

Der Markt für Beförderungsleistungen im öffentlichen Personennah- und Regionalverkehr (SPNV) hat sich spürbar belebt. Zu diesem Schluss kommt der im März dieses Jahres erschienene Marktreport 2015/16, der von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr (BAG-SPNV) herausgegeben wird.

Demnach bleibt DB Regio mit einem Anteil von 74 Prozent Marktführer, allerdings holen die nicht-bundeseigenen Bahnen weiter auf. Auf den Plätzen zwei und drei positionierten sich die französische Transdev (6 Prozent) und die Netinera-Gruppe (4 Prozent). Von den bis zum Ende vergangenen Jahres erfolgten Betriebsaufnahmen basierten bereits 80 Prozent auf wettbewerblich vergebenen Verkehrsverträgen, während sich der Anteil der Direktvergaben mehr als halbiert hat. Zudem hat laut BAG-SPNV die Zahl der Bieter bei Vergabeverfahren im Nahverkehrsmarkt zugenommen. Neu eingetreten sind die beiden britischen Betreiber National Express und Go-Ahead, die jeweils zwei Lose im RRX-Netz in Nordrhein-Westfalen beziehungsweise im Stuttgarter Netz für sich entscheiden konnten. Die niederländische Bahntochter Abellio, die zuletzt eine Reihe von Verträgen gewonnen hat, darunter das Dieselnetz in Sachsen-Anhalt, hält nunmehr einen Anteil von einem Prozent.
 
Wettbewerbsbahnen holen auf

Sowohl DB Regio als auch die Wettbewerbsbahnen konnten ihre Beförderungsleistung bis 2014 steigern. Insgesamt legte der SPNV mit Blick auf die gefahrenen Personenkilometer (Pkm) zwischen 2012 und 2014 um 4 Prozent auf 53 Milliarden Pkm zu. Der SPNV-Anteil am Modal Split im gesamtdeutschen Personenverkehr lag damit bei 4,8 Prozent. Sowohl die Fahrgastzahlen als auch die Auslastung (belegte Kapazitäten pro Zug) erhöhten sich in diesem Zeitraum um etwa 3 Prozent, was in 2014 einer Zahl von 2,5 Milliarden Fahrgästen und einer durchschnittlichen Auslastung von 81 Prozent entsprach. Die leichte Steigerung der Betriebsleistung auf 659 Millionen Zugkilometer ging auf das Konto der DB-Konkurrenten. Bezogen auf beide Leistungsgrößen (Zug-km und Pkm) nahm der Marktanteil der Wettbewerber um 1,5 beziehungsweise 2,8 Prozent zu.
 
Konkurrent Fernbus

Mit Blick auf das Verhältnis von Kosten, Finanzierungsgrundlagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen des SPNV – von Regionalisierungsmitteln und Trassenpreisen bis hin zum Eisenbahnregulierungsgesetz – spricht der Marktreport von „kaum auflösbaren“ Konflikten. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Nahverkehrs sicherzustellen, bringen die Autoren unter anderem eine Anhebung der öffentlichen Mittel sowie eine Dynamisierung im Einklang mit dem Anstieg der Trassenentgelte als politische Handlungsoptionen ins Spiel. Eine relativ neue Entwicklung zeichnet sich laut Marktreport im Verhältnis zum Fernbus ab, der als Wettbewerber zunehmend auch im Nahverkehr auftritt, insbesondere auf Strecken entlang bestehender langläufiger Regionalverbindungen. Dabei könnten die Fernbusse auf System- und Kostenvorteile des Straßenverkehrs zurückgreifen. Etwa 10 bis 14 Prozent der Fernbuskunden nutzten zuvor SPNV-Angebote. Bezogen auf die Verkehrsleistung im gesamten Personenverkehr hat der Fernbus laut der Studie den größten relativen Zuwachs verzeichnet, ausgehend von einem sehr geringen Ausgangsniveau, so dass sich der Marktanteil 2014 auf 0,5 Prozent belief, mit stark steigender Tendenz.

Der vollständige Marktreport ist über den Internetauftritt www.bag-spnv.de abrufbar. (Stand 05/2016)

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