Urbane Mobilität: Vom E-Roller bis zur Seilbahn

Schlagwörter: 

Innovative Ideen, Lösungskonzepte und Praxisbeispiele für den Personen- und Güterverkehr in wachsenden urbanen Ballungsräumen haben Praktiker und Experten auf dem Praxisforum Verkehrsforschung präsentiert. Dazu hatten das Institut für angewandte Sozialforschung (infas) und das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) Ende November auf den EUREFCampus nach Berlin geladen – dort, wo sich auch das Testgelände für den autonomen Bus befindet, den die Deutsche Bahn gemeinsam mit einem Startup entwickelt hat. Im Mittelpunkt standen die Weiterentwicklung öffentlicher Verkehrssysteme angesichts der sich wandelnden Mobilitätsbedürfnisse und der Digitalisierung sowie die Etablierung neuer Angebote an der Schnittstelle zwischen Massen- und Individualverkehr.

Verkehrssysteme werden immer komplexer, Reisende sehen sich einer zunehmenden Vielfalt an Transportmitteln und Anbietern gegenüber. Dementsprechend wächst das Bedürfnis nach einer durchgehenden Planung und Buchung von Reiseketten. Cameron Jones, CCO von SilverRail Technologies, griff dieses Thema unter dem Stichwort „Seamless Mobility“ auf. Er stellte in seinem Vortrag fest, dass mobile Internetnutzung für Bahn- und ÖPNVKunden einen sehr hohen Stellenwert hat, im Moment aber zu viele einzelne Apps nötig sind, um von A nach B zu kommen. Das Ziel sind daher integrierte Systeme, die Auskunft, Routenplanung und Ticketkauf über verschiedene Anbieter hinweg auf einer Plattform vereinigen.

Ein anderer Trend ist der Verzicht auf den (eigenen) PKW, der vor allem bei Jüngeren und in Großstädten zu beobachten ist. Hier setzen die Geschäftsmodelle von CleverShuttle und eMio an, die die beiden Gründer Jan Hofmann und Alexander Meiritz präsentierten. CleverShuttle bringt über eine App mehrere Personen zusammen, die das gleiche Ziel oder eine ähnliche Route haben, und vermittelt gemeinsame Fahrten in firmeneigenen Elektro- und Hybridautos mit angestellten Fahrern. eMio vermietet in Berlin Elektroroller für kürzere Strecken, ebenfalls  über eine App, die auch den Fahrzeugschlüssel ersetzt. In der Vermarktung ihrer Angebote betonen beide Unternehmen den ökologischen Aspekt und die Vorteile der Vermeidung von Staus und Parkplatzsuche.

Hofmann und Meiritz waren sich darin einig, dass ihre Angebote eine Ergänzung zum ÖPNV sind, die Lücken in der Mobilitätskette schließen, und zusätzlich eine Zielgruppe ansprechen, die bisher mit dem eigenen Auto unterwegs war, aber Busse oder Bahnen meidet.

Ein gänzlich anderes Verkehrsmittel als Beförderungsoption für die Stadt brachte Katharina Bernhard von Doppelmayr ins Spiel: die Seilbahn. Der in Österreich ansässige Hersteller ist weltweit aktiv und hat unter anderem in der bolivianischen Hauptstadt La Paz auf Wunsch des Präsidenten eine Seilbahn aufgebaut, die von einem staatlichen Verkehrsunternehmen betrieben wird. Im rheinlandpfälzischen Koblenz ist Doppelmayr selbst der Betreiber der anlässlich der Bundesgartenschau gebauten Seilbahn, die auf große öffentliche Akzeptanz gestoßen sei und daher weiterbetrieben wurde. Laut Hersteller sind Seilbahnsysteme im Bau günstiger und schneller zu realisieren als Stadtbahnen, können mehr Personen als eine Buslinie befördern, sind energieeffizient, flexibel einsetzbar und bieten ein angenehmes Reiseerlebnis. In der deutschen ÖPNV-Landschaft sei das Transportmittel – trotz potenziell geeigneter Standorte – vor allem deshalb noch nicht angekommen, so Bernhard, weil es bei Verkehrsplanern kaum bekannt sei. (Stand 01/2017)

 
 

 

Nutzer-Bewertung: 
0

Ähnliche Artikel


Gefahrstoffe sind ein wesentlicher Teil unserer Arbeitswelt. Die sichere Verwendung ist eine wichtige Aufgabe aller Arbeitsbereiche....

Von 2014 bis 2028 werden 14 RWE-Wasserkraftwerke die Züge der Deutschen Bahn mit Ökostrom versorgen. Das haben die Vorstandsvorsitzenden des...

Carsharing mit elektrischen Fahrzeugen ist in Berlin auf dem Vormarsch. Im Rahmen von verschiedenen Förderprojekten wurde das Phänomen e-...