UIC Kongress 2017: Wandel der Mobilitätsmärkte setzt Bildungsexperten unter Zugzwang

Alle zwei Jahre treffen sich die Bildungsexperten der internationalen Bahnen, um sich über die neuesten Entwicklungen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter auszutauschen. Der nunmehr vierte „World Congress on Rail Training“, der vom Internationalen Eisenbahnverband UIC organisiert wird, fand im April im Kaiserbahnhof Potsdam statt. Wie die Zukunft der Bildung bei den Bahnen angesichts zunehmender Globalisierung und Digitalisierung aussehen könnte, war der inhaltliche Aufhänger der viertägigen Veranstaltung.

In zahlreichen Vorträgen und Workshops präsentierten die Veranstalter - neben der UIC und Gastgeber DB Training, Learning & Consulting waren das die französischen und italienischen Staatsbahnen sowie das Unternehmen Scheidt & Bachmann - den rund 180 Teilnehmern aus über 30 Ländern best practice-Beispiele und Innovationen aus den Bildungsbereichen der Bahnen. Hinzu kamen Besichtigungen vor Ort, zum Beispiel im Trainingscenter der Berliner Verkehrsbetriebe BVG, bei der ETCSTrainingseinrichtung der Siemens AG, im Eisenbahn Betriebs- und Experimentierfeld der TU Berlin sowie in zahlreichen Bildungseinrichtungen der Deutschen Bahn AG, darunter die ICE-Instandhaltung in Berlin-Rummelsburg und die Fahrsimulatoren in Berlin-Schöneweide.

Deutlich wurde dabei die wachsende Bedeutung digitaler Trainings und Simulationen mit hoher Praxisrelevanz. Um Nachwuchs- und Fachkräfte zu entwickeln, konzentrieren sich die Bahnen darüber hinaus auf Aspekte des Lebenslangen Lernens, zum Beispiel die Schulung von Quereinsteigern. Esther Marconi, Vorsitzende Expertise Development der UIC, betonte die zentrale Rolle der Trainingsmaßnahmen für die Human Resources der Bahnen: Angesichts des prognostizierten globalen Beschäftigungswachstums in den Mobilitätsbranchen müssten sich die Bahnen der „unglaublich schnellen Evolution am Gipfelpunkt der Globalisierung“ stellen und entsprechende Innovationen fördern.

Der UIC versucht dies zum Beispiel im ahmen seines Railway Talent Projects (www.railtalent.org), in dem unter anderem ein Portfolio an Online-Trainings für internationale Nachwuchskräfte entwickelt wird. Aber auch die Deutsche Bahn ist auf internationalem Terrain unterwegs: zum Beispiel mit dem Aufbau einer englischsprachigen Rail Academy, die für den wachsenden Bedarf an Schulungsmaßnahmen in stark wachsenden Bahnmärkten konzipiert ist (siehe den Beitrag in Deine Bahn 7/2017).

Dass diese Herausforderungen ebenso für Deutschland gelten, machte DB Training-Geschäftsführer Christof Beutgen in seiner Keynote deutlich: Nur wenn die Bahnen sich im Bildungsbereich bewegten und Innovationen entwickelten, seien sie in der Lage, dem Fachkräftemangel adäquat zu begegnen. Ein wichtiger Aspekt dabei sei die zunehmende Individualisierung der Bildung: Die elementar unterschiedlichen Lerngewohnheiten der Digital Natives im Vergleich zu den Baby Boomern mache es inzwischen unmöglich, Bildungsmaßnahmen von der Stange erfolgreich anzuwenden, sagte Beutgen. (Stand 07/2017)

Schon längst integraler Bestandteil von Rail Trainings: Simulatoren
Nutzer-Bewertung: 
0

Ähnliche Artikel

Die Deutsche Bahn AG hat angekündigt, ihr Ausbildungsangebot zu erweitern und auch in die Qualität ihrer Berufsausbildung zu investieren....


Ein qualitativ hochwertiger, sicherer und quantitativ optimierter Fahrweg ist Grundlage für die Verkehrsleistungen auf der Schiene;...

Mit dem internationalen Masterstudiengang wurde für Mitarbeiter/-innen der Bahn- und Verkehrsbranche sowie von Behörden ein akademisches,...