Teilautomatisierter Stadtbus absolviert Premierenfahrt

In Amsterdam hat ein Omnibus zum weltweit ersten Mal eine teilautomatisierte Stadtfahrt unter realen Bedingungen abgeschlossen. Der von Daimler Buses hergestellte „Mercedes-Benz City Future Bus“ fuhr die 20 Kilometer lange Strecke vom Flughafen Schiphol bis nach Haarlem ohne Mitwirkung eines menschlichen Fahrers. Diese Verbindung ist ein Teilstück von Europas längster Schnellbus-Strecke, der Airportlinie 300, die ausschließlich für den Verkehr von Bussen mit hoher Taktfrequenz bestimmt ist. Dabei passierte das Fahrzeug Ampelkreuzungen und Tunnel, steuerte Haltestellen an und wartete bei der Anfahrt auf über die Straße laufende Personen, ohne dass der an Bord befindliche Busfahrer eingreifen musste.
 
Sensorengestützte Steuerung durch CityPilot
Die Steuerung der Testfahrt übernahm der „CityPilot“, ein System, das Elemente verschiedener Fahrerassistenzsysteme kombiniert und auf dem „Highway Pilot“ des autonomen Daimler-Trucks „Actros“ aufbaut, der im vergangenen Jahr vorgestellt wurde. Für die Orientierung in der Umgebung und das Erkennen von Fahrbahn, Objekten, Verkehrszeichen und Signalen sorgen eine Vielzahl von Kameras und Radarsensoren für den Nah- und Fernbereich. Auch die exakte Ortung des Busses stützt sich auf Kameras sowie auf GPS (Global Positioning System). Während der Fahrt erfolgt über Funk ein Austausch der von den Sensoren erfassten Daten mit bereits vorhandenen Informationen über die Beschaffenheit von Strecke und Fahrbahn sowie mit den Ampelsignalen. So ist eine fahrzeugseitige Beeinflussung der Ampelschaltung möglich, um eine „grüne Welle“ zu erzeugen (Vehicle to Infrastructure-Kommunikation, V2I).
 
Im automatisierten Modus kann der „Future Bus“ laut Angaben des Herstellers gleichmäßiger und ressourcenschonender fahren, womit Verschleiß und Kraftstoffverbrauch und damit Betriebs- und Wartungskosten sinken und sich der Fahrgastkomfort erhöhen soll. Der Fahrer aktiviert den Autopilot per Tastendruck und kann jederzeit wieder die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen, in dem er Lenkrad oder Pedale betätigt. Der Bus beschleunigt bei freier Strecke bis zur vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit, bewegt sich im Rahmen einer geringen Abweichung konstant in der vorgesehenen Fahrspur und bremst beim Erkennen eines Hindernisses selbsttätig ab. An Haltestellen positioniert sich das Fahrzeug in einem Abstand von wenigen Zentimetern zum Bordstein und öffnet und schließt die Türen automatisch.
 
Innovatives Innenraumkonzept
Neben der technischen Ausstattung für das teilautomatisierte Fahren setzt Daimler in seinem „Future Bus“ auf einen innovativen Ansatz bei Design und Innenraumgestaltung. Je nach der Verweildauer der Fahrgäste ist der Innenraum in drei verschiedene Zonen aufgeteilt, die für kurzes Stehen bis hin zum komfortablen Sitzen bei längeren Reisen ausgelegt sind. Das Design von Haltegriffen, Beleuchtung und Sitzgelegenheiten im Innenraum ist darauf angelegt, den Eindruck eines Aufenthalts im Grünen zu vermitteln. Außerdem verfügt das Fahrzeug über Unterhaltungsund Informationssysteme, drahtlose Lademöglichkeiten für Smartphones sowie elektronisches Ticketing, das die Fahrscheinkontrolle durch den Busfahrer überflüssig macht.

Einen möglichen Verkaufspreis für seinen teilautomatisierten Bus wollte Daimler anlässlich der Premiere in Amsterdam nicht nennen. Das dort eingesetzte Fahrzeug ist ein Technologieträger und kann nach Unternehmensangaben frühestens ab 2020 in Serie gehen. Einige der Komponenten des „CityPilot“, die aus der PKW- und Nutzfahrzeugsparte kommen, könnten aber bereits jetzt in hohen Stückzahlen gefertigt werden. Neben dem Anschaffungspreis verweist Daimler auf die geringeren Unterhaltskosten  bei automatisiertem Fahrbetrieb. Auf Busfahrer könne in absehbarer Zeit allerdings nicht verzichtet werden, heißt es von Seiten des Herstellers. Allerdings werde sich das Berufsbild verändern und der Fahrer mit fortschreitender Automatisierung mehr Zeit für andere Aufgaben wie die Betreuung der Fahrgäste haben. (Stand: 08/2016)

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