Schienen-Verbände fordern mehr politischen Rückhalt von kommender Bundesregierung

Vor dem Hintergrund der Gespräche über die Bildung einer zukünftigen Regierungskoalition im Bund haben die maßgeblichen Interessenvereinigungen der Bahnbranche ihre verkehrspolitischen Positionen und Vorschläge bekräftigt und konkretisiert. Die Bahnindustrie und die Wettbewerbsbahnen stellten außerdem aktuelle Zahlen zur Entwicklung von Umsätzen und Marktanteilen vor.

Der Verband der Bahnindustrie (VDB) fordert ein Innovationsprogramm für die Schiene. Damit soll vor allem die Digitalisierung im Sektor gefördert werden, um die Bahn wettbewerbsfähiger zu machen und die Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene voranzubringen. „Digitaler Schienenverkehr ist der Schlüssel zu mehr Klimaschutz“, sagte Verbandspräsident Volker Schenk anlässlich der Vorstellung der Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2017 in Berlin. Der VDB verwies darauf, dass die Bahnen in Deutschland schon heute zu mehr als 40 Prozent mit erneuerbaren Energien fahren und die Elektromobilität im Schienenverkehr einen Anteil von 90 Prozent hat. Im Oktober hatte das Bundesumweltministerium bekannt gegeben, dass Deutschland seine für 2020 angepeilten Klimaziele wohl verfehlen wird. Hauptursache ist neben dem Betrieb von Kohlekraftwerken der Ausstoß von Treibhausgasen im Verkehrssektor.

Die im VDB zusammengeschlossenen Bahntechnik-Hersteller hatten im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Umsatzrückgang von rund 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Dafür war vor allem die gesunkene Auslandsnachfrage verantwortlich. Von den 5 Milliarden Euro Gesamtumsatz in diesem Zeitraum entfielen 3,6 Milliarden auf Fahrzeuge und 1,4 Milliarden auf Infrastrukturausrüstung. Das Auftragsvolumen erreichte in den ersten sechs Monaten einen Wert von 6,2 Milliarden Euro.

Für eine „Innovationsoffensive“ von Bahnbranche und Politik sprachen sich auch die Interessenverbände der privaten Güter- und Personenverkehrsunternehmen NEE, VPI und MOFAIR in einer gemeinsamen Erklärung aus. „Wir müssen jetzt die Forschung staatlich bündeln und das System Eisenbahn gemeinsam weiterentwickeln“, sagte VPI-Geschäftsführer Malte Lawrenz. Weder das prognostizierte Verkehrswachstum noch die Klimaziele könnten ohne eine Verschiebung des Modal Split hin zur Schiene bewältigt werden, so Lawrenz. Dazu sollten unter anderem die Trassenpreise halbiert und der Netzausbau weiter beschleunigt werden, fordern die drei Verbände.

Insgesamt ist der Marktanteil des Schienengüterverkehrs  2016 gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Die Wettbewerbsbahnen konnten ihren Anteil an den Gütertransporten auf der Schiene auf knapp über 40 Prozent ausbauen. Im  Schienenpersonennahverkehr lag ihr Anteil bei 33 Prozent. Dies geht aus dem fünften „Wettbewerber-Report Eisenbahn 2017/2018“ hervor, den NEE, VPI und MOFAIR im Oktober veröffentlicht haben. Das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene hatte bereits unmittelbar nach der Bundestagswahl Ende September einen Forderungskatalog unter dem Titel „Fahrplan Zukunft“ vorgelegt. „Der Bund sollte der Eisenbahn eine strategische Schlüsselrolle übertragen, um den Verkehr zukunftsfest zu machen“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, bei der Vorstellung des Papiers in Berlin. Darin wird die Bundesregierung unter anderem aufgefordert, die Themen Digitalisierung, Innovationen, Lärmschutz und Elektromobilität auf der Schiene voranzutreiben, die Trassenpreise zu senken und Investitionen in das Netz zu erhöhen sowie die Einführung eines Deutschland-Taktes zu forcieren. Zu den Unterstützern der Forderungen gehören neben der Deutschen Bahn und dem VDV auch die maßgeblichen Wettbewerbsbahnen und führenden Bahntechnik-Hersteller. (Stand: 11/2017)

Die Bahnbranche bündelt ihre Forderungen, um sich in Berlin Gehör zu verschaffen
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