DB Netz sieht Systematisierung des Fahrplans vor

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Dr. Jörg Sandvoß, Vorstand Vertrieb und Fahrplan der DB Netz AG, stellte auf der Fachtagung „Deutschland-Takt und Schienengüterverkehr – Widerspruch oder Erfolgsstory?“ einen Systemwechsel beim Trassenmanagement durch eine Systematisierung des Fahrplans in Aussicht. Dieses Statement wurde von den Experten ausdrücklich begrüßt, die Anfang Juni auf Einladung des Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr (BAGSPNV) und des Netzwerks Europäischer Bahnen in Berlin zusammen getroffen waren.

Zentrales Thema der Fachtagung war die Frage, wie Personen- und Güterverkehr auf dem Schienennetz auch zukünftig in Einklang gebracht werden können. Denn die Verkehrsprognosen für die kommenden Jahre gehen von hohen Wachstumsraten besonders für den Güterverkehr, in geringerem Maße aber auch für den Personenverkehr aus. Diskutiert wurde dabei über die Einführung eines so genannten Deutschland-Takts  bzw. integralen Taktfahrplans, zum Beispiel nach dem Vorbild der Schweiz, um die Belange beider Verkehre gleichberechtigt zu berücksichtigen.

Auf der Podiumsdiskussion waren sich (von rechts) Burkhard Bräkling (TX Logistik), Dr. Norbert Reinkober (Vorsitzender Netzbeirat), Moderator Timon Heinrici (DVZ), Dr. Jörg Sandvoß und Hans Leister (Vorstand Keolis Deutschland) einig, dass die Fahrplan-Systematisierung ein durchaus möglicher und darüber hinaus notwendiger Schritt für einen zukunftsfähigen Schienenverkehr in Deutschland darstellt.

Systematisierung heißt in diesem Zusammenhang eine Erhöhung des Anteils regelmäßiger oder auch vertakteter Güterverkehre im Vergleich zu den kurzfristigen Spot-Güterverkehren. Demnach ist die vorkonstruierte Trasse die erste Wahl – wenn man von solchen Eisenbahnverkehrsunternehmen absieht, deren Rollmaterial zum Beispiel Probleme dabei bekommen könnte, die Geschwindigkeitsanforderungen auf vertakteten Trassen zu erfüllen. Sandvoß sieht in der systematischen Einführung vorkonstruierter Trassen, die dann für die Eisenbahnunternehmen zur Auswahl „in ein Schaufenster“ gestellt werden sollen, einen notwendigen Systemwechsel beim Trassenmanagement: „Gerade die europäischen Güterverkehrskorridore erzeugen den Druck, künftig mehr Züge auf unserem Netz unterzubekommen. Dafür ist eine fahrplan- und auch infrastrukturbasierte Planung das A und O.“

Hintergrund: Die EU-Verordnung 913/2010 erfordert im Fahrplan und im Kapazitätsmanagement erheblichen Anpassungsbedarf in den vorhandenen Methoden und Prozessen, weshalb Anfang 2010 das Fachlinienprojekt „neXt (EU-Güterkorridore)“ im Sandvoß-Vorstandsressort eingerichtet wurde. Unter anderem werden darin Optimierungspotenziale an der Schnittstelle zwischen Kundenanforderungen und Fahrplanungs- bzw. Konstruktionsprozessen identifiziert und deren Umsetzung begleitet. Die (Teil-)Systematisierung des Fahrplans und somit die Abkehr von der reinen Trassenmanufaktur ist dabei ein möglicher Ansatzpunkt, um die Anforderung des „Vorhaltens von Kapazitäten für  Grenzüberschreitende Güterzüge“ erfüllen zu können.

 

Hinweis

Ausführliche Beiträge zum Thema Langfristfahrplan und Kapazitätsmanagement finden Sie in der Ausgabe 5/2012 von Deine Bahn.

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