Bahningenieur: Beste Aussichten auch für Quereinsteiger

Wer sich als Ingenieur für eine berufliche Zukunft im Bahnsektor entscheidet, dem stehen viele Optionen offen – hinderlich für die Nachwuchsgewinnung ist allerdings das Image der Branche.

Darauf konnten sich Vertreter von Verbänden und Hochschulen einigen, die auf dem Podium des „Career Forum“ am zweiten Messetag der InnoTrans in Berlin für den Beruf Bahningenieur warben. Der Präsident des Berufsverbandes der Bahningenieure (VDEI), Dr. Thomas Mainka, sprach von ausgezeichneten Perspektiven auf einem Arbeitsmarkt, der gerade auch für Quereinsteiger interessant und offen sei. Dazu zählen etwa Bauingenieure, wie Mainka selbst, der über Bahnhofsprojekte zur Bahn kam, aber auch Architekten und Informatiker. Neben den bahnspezifischen Studiengängen bietet sich für viele Studenten technischer Fächer im Hauptstudium die Möglichkeit zur Vertiefung im Bereich Schiene, erläuterte der VDEI-Präsident. Eine Schlüsselqualifikation ist das Denken im Systemzusammenhang, betonte Mainka, das Bahningenieure in die Lage versetzt, das komplexe Zusammenwirken von Fahrzeugen, Fahrwegen und Bahnanlagen zu verstehen.

Im Rahmen eines Bachelorstudiums sei dieses Systemwissen allerdings kaum zu vermitteln, sagte Raphael Pfaff, Professor Bahningenieur: Beste Aussichten auch für Quereinsteiger für Schienenfahrzeugtechnik an der FH Aachen und als studierter Mathematiker und Regelungstechniker selbst ein Quereinsteiger. Er selbst habe viele relevante Qualifikationen in der beruflichen Praxis erworben und dabei auch aus Fehlern gelernt, so Pfaff, der in verschiedenen Unternehmen im Bereich Antriebs- und Bremssysteme tätig war. Der Professor hob das angenehme Umfeld und die sinnstiftenden Aufgaben hervor, die seine beruflichen Erfahrungen in der Bahnbranche gekennzeichnet haben. Frisch gebackene Bahningenieure finden in der Regel schnell einen Job, so Pfaff, an dessen Hochschule die jährliche Zahl der Absolventen lediglich im einstelligen Bereich liegt.

Der Einstieg in den Beruf steht Vivian Augele noch bevor, die an der TU Dresden im Studiengang Verkehrsingenieurwesen eingeschrieben ist und den Zuhörern der Podiumsdiskussion die Sicht der Studierenden vermittelte. Ihre Begeisterung für die Schiene wurde als Kind geweckt, nicht nur durch die Beschäftigung mit Modelleisenbahnen, sondern durch die Erfahrung selbständiger Mobilität, da das Bahnfahren für sie die einzige Möglichkeit war, ohne Begleitung der Eltern zur Schule zu kommen. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die nicht stillstehende Entwicklung im System Bahn und die Großtrends wie Digitalisierung und Globalisierung für eine konstante Nachfrage nach Bahningenieuren sorgen. Diese Nachfrage wird vom VDEI mit bis zu 20.000 Ingenieuren beziffert, die aufgrund des vergleichsweise hohen Altersdurchschnitts der Beschäftigten in den Bahnunternehmen innerhalb der kommenden zehn Jahre gebraucht würden. Auf weitaus höhere Zahlen kommt man, wenn man neben der Bahnindustrie im engeren Sinne noch die zahlreichen Zulieferer, Behörden, Verbände, Beratungsunternehmen und IT-Dienstleister hinzurechnet, wie Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene und Moderator der  Podiumsdiskussion, deutlich machte.

Doch die Schiene steht im Ringen um Ingenieur-Absolventen in einem harten Konkurrenzkampf, vor allem mit den benachbarten Branchen der Automobilund Luftfahrtindustrie, die aufgrund ihres positiveren Bildes in der öffentlichen Wahrnehmung oft als attraktivere Arbeitgeber erscheinen. Auch wenn es in Mode sei, schlecht über die Bahn zu sprechen, ist die Branche besser als ihr Ruf, bekräftigte VDEI-Präsident Mainka, der sich dafür aussprach, mehr für Imagepflege zu tun: „Wir verkaufen uns unter Wert“. Immerhin, berichtete Verkehrstechnik-Studentin Augele, sei auf Partys stets für Gesprächsstoff gesorgt, wenn man sich als angehende Bahningenieurin zu erkennen gibt. (Stand: 10/2016)

Auf dem Podium des InnoTrans-Career Forum: Mainka (VDEI), Flege (Allianz pro Schiene), Augele (Studentin, TU Dresden), Pfaff (FH Aachen) (v.l.n.r.)
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