Bahnbranche unterstützt Strategie „Leise Schiene“

Die neue Initiative des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) zur Lärmbekämpfung im Schienengüterverkehr trifft auf Unterstützung in der Bahnbranche. Industrie, private Güterwagenhalter und die Allianz pro Schiene begrüßten insbesondere die Innovationsprämie, mit der die Anschaffung von Güterwagen gefördert werden soll, die die EU-Grenzwerte für Schienenlärm unterschreiten. Die Prämie sei ein „Durchbruch für die Anschaffung leiser Güterwaggons“, sagte Volker Schenk, Präsident des Bahnindustrie-Verbandes VDB. Sie liefere Anreize, Investitionen in einen moderneren Fuhrpark vorzuziehen, so der Geschäftsführer des Verbandes der Güterwagenhalter (VPI), Jürgen Tuscher. Zwei Drittel des Wagenbestandes der VPI-Mitgliedsunternehmen würden durch neue Wagen ersetzt, so Tuscher. Bisher wurde aber die nur die Umrüstung finanziell gefördert. „Zusätzliche Dynamik für die Flottensanierung“ erhofft sich auch Dirk Flege, Geschäftsführer des Lobbyverbandes Allianz pro Schiene, von der Initiative des BMVI.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte im März die Strategie „Leise Schiene“ vorgestellt. Neben der Innovationsprämie fördert das BMVI die  Entwicklung und Erprobung lärmmindernder Technologien. Für Prototypen noch leiserer Wagen, die an Strecken der Deutschen Bahn getestet werden können, stehen bis 2018 insgesamt 30 Millionen Euro aus dem Zukunftsfond der Bundesregierung zur Verfügung. Das BMVI will außerdem bundesweit etwa 15 Messstationen an viel befahrenen Strecken aufstellen, um die Fortschritte bei der Reduzierung des Schienenlärms zu überprüfen. Etwa 70 Prozent des Güterverkehrs sollen damit erfasst werden. Fortgeführt wird die Förderung für die Umrüstung von Güterwagen auf die so genannte Flüsterbremse, für die bis 2020 bis zu 152 Millionen Euro bereitstehen.

Dialogplattform „Leise Bahnen“ stellt Maßnahmenkatalog vor
Ebenfalls im März hat die Allianz pro Schiene die Ergebnisse des Dialogprojektes „Leise Bahnen“ vorgestellt. Im Rahmen dieses vom Umweltbundesamt (UBA) geförderten Projektes hat das Verkehrsbündnis mit Unterstützung von Bahnindustrie, Verkehrsunternehmen, Umwelt- und Verkehrsministerium und verschiedenen Interesseverbänden einen Katalog von Vorschlägen für die Reduzierung des Schienenlärms erarbeitet. Dazu gehören die Verbesserung des Lärmschutzniveaus durch Absenkung der Grenzwerte, die Umsetzung des geplanten Fahrverbots für laute Güterwagen ab 2020/21, die Vereinheitlichung der Lärmmessung, die Ausschöpfung von Lärmminderungspotenzialen bei Infrastruktur, Fahrzeugherstellung und Betriebsprozessen sowie die Intensivierung von Forschung und Forschungsförderung.

Auf der Abschlusskonferenz in Berlin bekräftigte Michael Odenwald, Staatssekretär im Verkehrsministerium, das Fahrverbot für laute Güterwagen komme noch in diesem Jahr, und rief die EU-Staaten auf, dem Beispiel Deutschlands bei der Reduktion von Schienenlärm zu folgen. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger forderte weitergehende Maßnahmen, da die beschlossene Halbierung der Schallemissionen im Bahnverkehr bis 2020 noch nicht ausreichend sei, um die Bevölkerung vor gesundheitsschädlichem Lärm zu schützen. Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Flege lobte die Zusammenarbeit der Teilnehmer im Projekt „Leise Bahnen“, die trotz teilweise kontroverser Positionen ein gegenseitiges Verständnis aufgebaut hätten. Mit dem Sieben-Punkte-Papier liege nun eine gute Orientierung vor, um den Schienengüterverkehr leiser zu machen, ohne dabei weiter Marktanteile zu verlieren. Die Lärmminderung sei aber nur ein Baustein auf dem Weg zu mehr Verkehr auf der Schiene, betonte Flege. Eine nachhaltige Verkehrspolitik müsse vielmehr dafür sorgen, dass die Bahn im Wettbewerb gegenüber dem Straßenverkehr nicht länger benachteiligt werde. (Stand 04/2016)

So funktioniert die Flüsterbremse: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (2. v. l.) und DB-Vorstandschef Rüdiger Grube (3. v. l.) besichtigen eine Werkstatt der Bahn in Berlin
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