Anpassung der ÖPNV-Systeme erforderlich

Die regional unterschiedliche Entwicklung der Bevölkerungszahlen und der Altersstruktur macht eine quantitative und qualitative Umgestaltung der Nahverkehrssysteme sowie eine bedarfsgerechte Umverteilung von Finanzmitteln erforderlich. Dies zeigen zum Beispiel Untersuchungen des Mobilitäts-Beratungsunternehmen SCI Verkehr. Zu beobachten sind demnach zwei gegenläufige demografische Trends, die Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen vor strategische und planerische Herausforderungen stellen.

Insgesamt wird die Bevölkerung in Deutschland laut Angaben des statistischem Bundesamtes bis 2030 um 2,4 bis 4,4 Prozent schrumpfen, das entspricht 2 bis 3,5 Millionen Menschen. Die Abwanderung aus den ländlichen Regionen wird sich fortsetzen, wovon vor allem die ostdeutschen Bundesländer betroffen sind. Zuwächse verzeichnen dagegen urbane Ballungsräume wie das Rhein-Main-Gebiet oder die Metropolregionen München, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main und Köln. Die Wanderungsbewegungen wirken sich auch auf die altersmäßige Zusammensetzung aus: Während im gesamten Bundesgebiet die Altersgruppe der über 65-Jährigen deutlich zunimmt, führt die Abwanderung junger Menschen (18-39 Jahre) in die Großstädte dazu, dass die dortige Bevölkerung weniger stark altert als auf dem Land.

Mit dem demografischen Wandel einher geht ein verändertes Mobilitätsverhalten: Die individuelle Verkehrsleistung wird laut SCI bis 2030 insgesamt leicht zunehmen. Da die Nutzung des PKW bei unter 30-Jährigen zugunsten einer multimodalen Verkehrsmittelwahl abnimmt, wird im Prognosezeitraum eine Zunahme der Verkehrsleistung im ÖPNV in der Altersgruppe 35-45 Jahre erwartet. Auch die über 60-Jährigen werden mobiler, nutzen aber in Zukunft häufiger den PKW, was damit erklärt wird, dass heute deutlich mehr Frauen als früher über einen Führerschein verfügen. Der Modal Split bei den Senioren verschiebt sich vom ÖPNV zum Individualverkehr, so die SCI Verkehr. Im Zusammenhang mit dem Zustrom junger Menschen in die Städte bedeutet dies, dass öffentliche Verkehrsmittel im ländlichen Raum weniger, in den urbanen Ballungszentren dagegen überproportional häufiger genutzt werden.

Zudem werden die Pendelverkehre zwischen Stadt und Umland zunehmen (auf die Entwicklung im Raum Berlin-Brandenburg geht auch unser Leitartikel in Ausgabe 1/2016 ein).

Aus den prognostizierten Trends leitet die SCI Verkehr Handlungsempfehlungen für Politik und Verkehrsbetreiber ab. So werde es im ländlichen Raum nicht zu vermeiden sein, ÖPNV-Angebote dem sinkenden Bedarf anzupassen und insbesondere nicht ausgelastete Bahnverbindungen durch Busverkehre zu ersetzen.

In den Ballungsräumen hingegen müssten sowohl die Infrastruktur ausgebaut als auch Kapazitäten und Betriebsleistung gesteigert werden, etwa durch verkürzte Zugfolgezeiten im Schienenpersonennahverkehr oder die optimierte Auslastung von Fahrzeugen. In diesem Zusammenhang sollen öffentliche Mittel für den Betrieb und Investitionen im ÖPNV gemäß der erwarteten Nachfrage vergeben und entsprechend umgeschichtet werden, empfiehlt SCI (www.sci.de). (Stand 01/2016)

 

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